Nietzsche

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Nietzsche war ein klassischer Philosoph und wurde besonders durch Schopenhauer und Mainländer beeinflusst. Im Vergleich zu vielen anderen Philosophen wie Kant, Schopenhauer oder Mainländer baute Nietzsche seine Werke nicht geschlossen systematisch auf, sondern baute lange Gedankenketten innerhalb seiner Werke ein. Dass Nietzsche gar nicht systematisch schrieb, ist übrigens falsch, die Gedankenketten werden jedoch oft übersehen, was den falschen Schluss erzeugen kann, dass Nietzsche "gar nicht systematisch" schrieb, Popper schrieb z.B. einst, dass er Nietzsche sorgfältig gelesen habe, aber er las nichts heraus, so stand nichts drinnen, dies sagt aber nur aus, dass er aus Nietzsche nichts herausgelesen hatte, nicht dass bei Nietzsche nichts herauszulesen wäre. Nietzsche beeinflusste viele Philosophen, darunter Wittgenstein, der seine Sprachkritik weiterdachte und die Sprachanalyse in seinem Werk "Philosophische Untersuchungen" weiter ausführte, Heidegger führte den Seinsgedanken bei Nietzsche in seinem Werk "Sein und Zeit" ebenfalls genauer aus. Weitere Denker die von Nietzsche beeinflusst waren, war etwa Foucault, der den Willen zur Macht und den Willen zum Wissen aufgriff und die Frage aufwarf, ob denn der Wille zum Wissen ein Wille zur Macht sei. In der Geschichtsphilosophie wurde besonders Spengler von Nietzsche beeinflusst, sowohl in dem Grundgedanken der Untersuchung der Kulturen ("Von Goethe habe ich die Methode, von Nietzsche die Fragestellungen" Spengler, Untergang des Abendlandes) als auch im Sprachstil, oder Ernst Jünger, bei dem in den Werken ebenfalls eine Nietzsche ähnlicher Sprachstil vorzufinden ist. Neben den Philosophen beeinflusste Nietzsche auch die Psychologen, etwa Viktor E. Frankl. Zudem wurde Nietzsche als eigentlicher Begründer der Psychoanalyse beschrieben, da sich in Nietzsches Werken bereits alle Gedanken finden, die Freud später den Ruf er Begründung der Psychoanalyse einbrachten. Freud behauptete, dass er Nietzsche aufgrund großer inhaltlicher Überschneidungen nicht gelesen hätte.

Einleitende Worte zum Unterschied Nietzsche zu Schopenhauer[Bearbeiten]

"Mir scheint, dass Schopenhauer eine sprachliche Klarheit und Präzision erreicht hat, die nicht mehr übertroffen werden kann (mehr noch als Kant!), man kann sich ihr nur annähern und im besten Falle auf dieselbe Stufe emporklettern (angemerkt sei, dass Schopenhauer allerdings auch die aphoristische Sprachkunst beherrschte, diese Synthese von sprachlicher Klarheit und aphoristischer Kunst, und zwar in der Form, dass die Präzision nicht unter der Kunst leidet, scheint mir bei ihm einmalig). Bei Nietzsche verhält es sich mit der Akklimatisierung durch Aphorismen ähnlich, Nietzsche zu übertreffen scheint kaum möglich, man kann sich auch ihm nur annähern, wobei Nietzsche die Akklimatisierung teilweise der logischen Klarheit geopfert hat (haben hat müssen), diese aber dafür bis zur Perfektion ausreizte, selbiges gilt für die Gedankenketten, die bei Schopenhauer Satz für Satz, Wort für Wort, aufgebaut sind, während sie bei Nietzsche über mehrere Bücher hinweg, in Aphorismen und Andeutungen eingehüllt verschüttet liegen, zuweilen etwas eingestaubt und eingegraben (man muss sie erst entstauben und ausgraben). Versucht man Schopenhauer wie Nietzsche zu lesen, oder auf dem Kopf gedreht Nietzsche wie Schopenhauer zu lesen, so wird man nur einen Bruchteil der Werke sehen und keinen Zugang zu dem eigentlichen Schatz freilegen. Man muss beide erste lesen lernen. Bei Schopenhauer ist es einfach, wenn man über ausreichend Motivation und logisches Fassungsvermögen verfügt, bei Nietzsche, wenn man als selbstständiger Denker etwas mit gedanklicher Akklimatisierung anfangen kann und über eine hohe psychologische Auffassungsgabe verfügt. Man könnte die Unterschiede so auffassen, dass Schopenhauer (wie Kant) Philosophen der Höhe sind, die auf dem Berg der Logik bis auf den Gipfel kletterten, wohingegen Nietzsche ein Philosoph der Tiefe ist, und bis in den Erdkern gräbt." Eigene einleitene Worte zu Nietzsche und Schopenhauer

Nietzsches Sprachstil[Bearbeiten]

Nietzsches Sprachstil (auch "Nietzsche Sound" genannt) zeichnet sich durch eine akklimatisierende Komponente aus, wobei der Leser nicht nur mit Argumenten überzeugt werden soll, sondern zum eigenen Nachdenken angeregt wird. Besonders deutlich wird der typische Nietzsche Stil in seinem Hauptwerk "Also sprach Zarathustra".

„Den Stil verbessern - das heißt den Gedanken verbessern, und gar nichts weiter! - Wer dies nicht sofort zugibt, ist auch nie davon zu überzeugen!“ Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches Den Sprachstil Kants kritisierte er und bezeichnete Kant polemisch als "Begriffs-Krüppel". (Götzen-Dämmerung) Aufgrund des außergewöhnlichen Sprachstils gehört Nietzsche den am häufigste zitierten Philosophen. Viele bekannte Aporismen wie "Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie." (Götzen-Dämmerung) oder "Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens." (Weisheit für Übermorgen) gehen auf Nietzsche zurück.

Besonders deutlich wird der Sprachstil in Nietzsches Hauptwerk "Also sprach Zarathustra", für welche der Leser die richtigen Ohren haben müsste, um ihn zu verstehen.

"Wenn diese Schrift irgend jemandem unverständlich ist und schlecht zu Ohren geht, so liegt die Schuld, wie mich dünkt, nicht notwendig an mir. Sie ist deutlich genug, vorausgesetzt, was ich voraussetze, daß man zuerst meine früheren Schriften gelesen und einige Mühe dabei nicht gespart hat: diese sind in der Tat nicht leicht zugänglich. Was zum Beispiel meinen »Zarathustra« anbetrifft, so lasse ich niemanden als dessen Kenner gelten, den nicht jedes seiner Worte irgendwann einmal tief verwundet und irgendwann einmal tief entzückt hat: erst dann nämlich darf er des Vorrechts genießen, an dem halkyonischen Element, aus dem jenes Werk geboren ist, an seiner sonnigen Helle, Ferne, Weite und Gewißheit ehrfürchtig Anteil zu haben. In andern Fällen macht die aphoristische Form Schwierigkeit: sie liegt darin, daß man diese Form heute nicht schwer genug nimmt. Ein Aphorismus, rechtschaffen geprägt und ausgegossen, ist damit, daß er abgelesen ist, noch nicht »entziffert«; vielmehr hat nun erst dessen Auslegung zu beginnen, zu der es einer Kunst der Auslegung bedarf." Zur Genealogie der Moral

Nietzsche erkannte, dass der Mensch nicht nur durch rationale Argumente überzeugt werden kann, sondern dass bestimmte Wahrheiten den meisten Menschen unzugänglich sind, da nur das Wissen akzeptiert wird, das für den Menschen nützlich ist. Um es mit Schopenhauer zu reden, wenn der Intellekt nur Werkzeug des Willens ist (Welt als Wille und Vorstellung) so wird er nur dasjenige an Wissen akzeptieren, das für ihn nützlich ist, wobei hierbei nur der Normale und der Begabte "betroffen" ist, das Genie erkennt mehr der objektiven Welt, da sein Intellekt "krankhaft gesteigert" ist (Welt als Wille und Vorstellung zum Genie). Aber auch das Genie hat Probleme bestimmte Wahrheiten zu akzeptieren. Heute könnte man sagen, dass Nietzsche mit einen Lesern in einen sokratischen Dialog geht (wenngleich er Sokrates scharf kritisierte). Der sokratische Dialog hat das Ziel bei den Gesprächspartner Verzerrungen im Denken aufzudecken und Widersprüche durch Hinterfragen aufzudecken. (Dorsch, Lexikon der Psychologie)

Während Schopenhauer und Kant eine maximale Sprachpräzision anstreben, versucht Nietzsche einen andern Weg zu gehen und durch maximale sprachliche Akklimatisierung und emotionale Aufwühlung des Lesers die alten Glaubensmuster zu zerstören Nietzsche wird gelegentlich attestiert, dass er gar kein "Hammer" in der Philosophie ist, sondern nur ein "Hämmerchen" das ist ganz und gar falsch, Nietzsche wollte sämtliche bisherigen zerschlagen um danach mit der intellektuellen Rechtschaffenheit endgültige Gewissheit zu erlangen. Dass dies aber selbst problematisch ist, wusste Nietzsche weshalb er auch den Wert der Wahrheit infrage stellte.

Nietzsches Wille zur Macht[Bearbeiten]

Nietzsche wurde besonders durch Schopenhauers Willensmetaphysik beeinflusst und übernahm dessen Nihilismus. Durch Bekanntschaft mit Mainländers Hauptwerk brach Nietzsche jedoch mit Schopenhauer und baute eine Willensmetaphysik mit einem Willen der nach Macht greif auf, da dieser - wie Mainländer - Schopenhauer vorwarf, dass ein Wille zum Leben etwas wollen müsste, was er bereits hat, denn der Wille lebt ja bereits. (Der Wille zur Macht ist so übrigens nicht korrekt, dazu an anderer Stelle mehr). Der Wille ist wie bei Mainländer ein einzelner getrennter Wille und nicht mehr ein "ganzer" wie bei Schopenhauer. Nietzsche wird häufig attestiert, dass er den Willen zur Macht aufgrund negativer psychologischer Umstände postuliert (er möchte mehr Macht, jetzt interpretiert er diesen Wunsch in alles Leben hinein), was jedoch so nicht unbedingt widerlegt werden muss, es zeugt jedoch sehr stark davon, dass die Ableitung von Nietzsches Machtwillen gar nicht bekannt ist (da zumeist eine mangelnde philosophische Bildung vorliegt, was auch Philosophie-Professoren betreffen kann). Das Problem mit der nicht nachvollziehbaren Ableitung findet sich auch bei dem überwiegenden Großteil der Spengler Rezeptionen (ungeachtet dessen, dass Toynbee bedeutende Fehler Spengler bereinigte und auch Popper rein logisch gesehen einige korrekte Bereinigungen durchführte). Der Wille zur Macht findet sich bei Nietzsche erstmal in seinem Werk "Also sprach Zarathustra".

»Wille zur Wahrheit« heißt ihr's, ihr Weisesten, was euch treibt und brünstig macht? Wille zur Denkbarkeit alles Seienden: also heiße ich euren Willen! Alles Seiende wollt ihr erst denkbar machen: denn ihr zweifelt mit gutem Mißtrauen, ob es schon denkbar ist. Aber es soll sich euch fügen und biegen! So will's euer Wille. Glatt soll es werden und dem Geiste untertan, als sein Spiegel und Widerbild. Das ist euer ganzer Wille, ihr Weisesten, als ein Wille zur Macht ; und auch wenn ihr vom Guten und Bösen redet und von den Wertschätzungen. Schaffen wollt ihr noch die Welt, vor der ihr knien könnt: so ist es eure letzte Hoffnung und Trunkenheit. Die Unweisen freilich, das Volk – die sind gleich dem Flusse, auf dem ein Nachen weiter schwimmt: und im Nachen sitzen feierlich und vermummt die Wertschätzungen. Euren Willen und eure Werte setztet ihr auf den Fluß des Werdens; einen alten Willen zur Macht verrät mir, was vom Volke als gut und böse geglaubt wird. Ihr wart es, ihr Weisesten, die solche Gäste in diesen Nachen setzten und ihnen Prunk und stolze Namen gaben – ihr und euer herrschender Wille! Weiter trägt nun der Fluß euren Nachen: er muß ihn tragen. Wenig tut's, ob die gebrochene Welle schäumt und zornig dem Kiele widerspricht! Nicht der Fluß ist eure Gefahr und das Ende eures Guten und Bösen, ihr Weisesten: sondern jener Wille selber, der Wille zur Macht – der unerschöpfte zeugende Lebens-Wille." Also sprach Zarathustra

Nietzsche nimmt an, dass überall wo das Leben aufsteigt der Wille zur Macht herrscht (Antichrist) wohingegen überall wo das Leben untergeht der Wille zur Ohnmacht herrscht.

Mitleiden als Krankheit, Ausdruck schlechter Manieren und Stimulanz des Nihilismus[Bearbeiten]

Nietzsche war ein großer Gegner der Mitleidsethik, wie wir sie bei Schopenhauer vorfanden. Während bei Schopenhauer das Mitleid der Kern der Tugend ist, indem der Wille erkennt, dass er durch Bejahung seines eigenen Willens zum Leben soweit geht, dass er den Willen zum Leben bei einem anderen verneint (was das Wesen des Egoismus bei Schopenhauer ist) behauptet Nietzsche, dass das Mitleid selbst eine Krankheit ist. Nietzsche wirft darüber hinaus den Mitleidigen vor, dass ihnen die Distanz abgehe: Ich werfe den Mitleidigen vor, daß ihnen die Scham, die Ehrfurcht, das Zartgefühl von Distanzen leicht abhanden kommt, daß Mitleiden im Handumdrehn nach Pöbel riecht und schlechten Manieren zum Verwechseln ähnlich sieht Ecce Homo. Insb da Nietzsche selbst schwer krank war, dürfte er die verächtliche Seite des Mitleides selbst erfahren und abgelehnt haben. Im Zarathustrismus fragt dieser ob den nicht das Mitleid das Kreuz wäre, auf dem derjenige genagelt wird, der die Menschen liebt. Mitleid steckt mit Leid an, es macht krank, es überrede zum nichts.

Der Übermensch als Sinn der Erde[Bearbeiten]

Nietzsche hat erkannt, dass der Mensch vollständig determiniert ist und keinen freien Willen besitzen kann, dies ist schlicht logisch unmöglich und wurde von Schopenhauer zweifelsfrei bewiesen (etwa in seiner Preisschrift zur Willensfreiheit). Schopenhauer begründet im Grunde den modernen Nihilismus, den Mainländer vervollständigte. Nietzsche wagt sich aber an den Gedanken, dass der Mensch sich selbst überwinden könnte, wodurch er zu einem Übermensch werden könne, der Gedanke findet sich erstmals in seinem Hauptwerk:

"Seht, ich lehre euch den Übermenschen! Der Übermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde! Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt Denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden!" .. "Ich will die Menschen den Sinn ihres Seins lehren: welcher ist der Übermensch, der Blitz aus der dunklen Wolke Mensch. Aber noch bin ich ihnen ferne, und mein Sinn redet nicht zu ihren Sinnen. Eine Mitte bin ich noch den Menschen zwischen einem Narren und einem Leichnam." Also sprach Zarathustra

Der Übermensch ist allerdings nichts so zu verstehen, dass die Menschen die Nietzsche lesen selber zum Übermensch werden können (das ist ein übles Missverständnis von Nietzschelesern, die ihn nicht sorgfälltig lesen), sondern so, dass der Übermensch irgendwann aus der Menschheit hervorgeht, der Mensch soll ein "schwerer Tropfen werden" aus den Wolken die den Übermensch verkündigen, Zarathustra soll ein solcher schwerer tropfen sein (im Nachass merkt Nietzsche an, dass derjenige, der dem Übermensch den Weg bereitet der höchste Mensch sei). Dieser Übermensch vertrifft eine Herrenmoral nach Nietzsche und kann selbst Werte schaffen. Wenngleich man zurecht den Gedanken hegen wird, dass Nietzsche sich durch die Kunstfigur des Zarathustra ausdrückt und eigene Erfahrungen schildet, so ist es unzulässig die Kunstfiguar als vollständige Identifikation mit Nietzsche zu deuten, Nietzsche weißt auch darauf hin, dass er nicht Zarathustra sei. Man darf sich Zarathustra aber auch nicht als reine Kunsftigur vorstellen (mit dem historischen Bezug) sondern vielmehr schwingt Zarathustra wie ein Pendel zwischen dem historischen Zarathustra und Nietzsche hin und her.

Neben dem Postulat des Willen zur Macht findet sich auch der Ausdruck "schaffender Wille" im Zarathustra:

Einst sagte man Gott, wenn man auf ferne Meere blickte; nun aber lehrte ich euch sagen: Übermensch. Gott ist eine Mutmaßung; aber ich will, daß euer Mutmaßen nicht weiter reiche, als euer schaffender Wille. Könntet ihr einen Gott schaffen? – So schweigt mir doch von allen Göttern! Wohl aber könntet ihr den Übermenschen schaffen. Nicht ihr vielleicht selber, meine Brüder! Aber zu Vätern und Vorfahren könntet ihr euch umschaffen des Übermenschen: und dies sei euer bestes Schaffen! – Gott ist eine Mutmaßung: aber ich will, daß euer Mutmaßen begrenzt sei in der Denkbarkeit. Könntet ihr einen Gott denken? – Aber dies bedeute euch Wille zur Wahrheit, daß alles verwandelt werde in Menschen-Denkbares, Menschen-Sichtbares, Menschen-Fühlbares! Eure eignen Sinne sollt ihr zu Ende denken! Und was ihr Welt nanntet, das soll erst von euch geschaffen werden: eure Vernunft, euer Bild, euer Wille, eure Liebe soll es selber werden! Und wahrlich, zu eurer Seligkeit, ihr Erkennenden! Und wie wolltet ihr das Leben ertragen ohne diese Hoffnung, ihr Erkennenden? Weder ins Unbegreifliche dürftet ihr eingeboren sein, noch ins Unvernünftige. Aber daß ich euch ganz mein Herz offenbare, ihr Freunde: wenn es Götter gäbe, wie hielte ich's aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter. Wohl zog ich den Schluß; nun aber zieht er mich. – Gott ist eine Mutmaßung: aber wer tränke alle Qual dieser Mutmaßung, ohne zu sterben? Soll dem Schaffenden sein Glaube genommen sein und dem Adler sein Schweben in Adler-Fernen?

Sofern der Mensch sich als Wille zur Macht begreift, so sollte also sich ein schaffender Wille entzünden, so jedenfalls Nietzsche.

Apollinisch und Dionysisch[Bearbeiten]

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Apollon Gott des Frühlings, des Lichts, der Heilung und der sittlichen Reinheit

Das Begriffspaar wurde philosophisch zuerst von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling verwendet und von Nietzsche in dem Werk „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" <ref>Nietzsche, Die Geburt der Tragödie , Hammer-Verlag, Leipzig 1878 [1872, 1874],,</ref> erstmals erwähnt. Bei dem Begriffspaar werden die Götter Apollon und Dionysos gegenübergestellt. Apollon verkörpert Klarheit und Ordnung und steht für eine rationale Welterfassung, Dionysos steht als Gott des Weines für die rauschhafte und sinnliche. Schelling beschreibt das dionysische als »göttliche Trunkenheit« und das apollinische als »leise Besonnenheit«. Im Namen Apollon wird analytisch Trennendes bewusst gemacht, während Dionysos das Vereinheitlichende sucht. Beide stehen für eine gegensätzliche Art der Weltanschauung oder des Lebensgefühls. Nietzsche selbst beschrieb sich in Ecce Homo als Jünger des Dionysos<ref>Nietzsche, Ecce Hommo, Vorwort 2,,</ref> . Spengler bezieht sich in seinem Hauptwerk "Der Untergang des Abendlandes" <ref>Oswald Spengler, Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte'</ref> auf Nietzsche als er den Begriff dionysisch einführt und erwähnt, dass dieser Seit Nietzsche jedem bekannt sei. Spengler führt zudem noch mit Bezug auf Goethe den Begriff faustisch ein. Nietzsche führt das Dionysische im Nachlass als ein radikales Bejahen der Nothwendigkeit des Schaffens und Vernichtens an, dagegen das apollinische als Drang des vollkommenen Fü-sich-seins, zum Individuum, zur Freiheit unter dem Gesetz.

Mit dem Wort „dionysisch“ ist ausgedrückt: ein Drang zur Einheit, ein Hinausgreifen über Person, Alltag, Gesellschaft, Realität, als Abgrund des Vergessens, das leidenschaftlich-schmerzliche Überschwellen in dunklere vollere schwebendere Zustände; ein verzücktes Jasagen zum Gesammt-Charakter des Lebens, als dem in allem Wechsel Gleichen, Gleich-Mächtigen, Gleich-Seligen; die große pantheistische Mitfreudigkeit und Mitleidigkeit, welche auch die furchtbarsten und fragwürdigsten Eigenschaften des Lebens gutheißt und heiligt, aus einem ewigen Willen zur Zeugung, zur Fruchtbarkeit, zur Ewigkeit heraus: als Einheitsgefühl von der Nothwendigkeit des Schaffens und Vernichtens… Mit dem Wort apollinisch ist ausgedrückt: der Drang zum vollkommenen Für-sich-sein, zum typischen „Individuum“, zu Allem, was vereinfacht, heraushebt, stark, deutlich, unzweideutig, typisch macht: die Freiheit unter dem Gesetz.<ref>Nietzsche — Nachgelassene Fragmente Frühjahr 1888. [14] Herausgabe von Giorgio Colli und Mazzino Montinari </ref>

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Dionysos. Gott des Weines, des Rausches und Extase

In den nachgelassenen Schriften geht Nietzsche ausführlich auf das appolinische und dionysische ein. <ref name=":0">Nietzsche, Nietzsche Source — Kritische Gesamtausgabe, Werke und Briefe (eKGWB), Nachgelassene Schriften , nietzschesource </ref> Er postuliert, dass dass der Mensch in 2 Zuständen das "Wonnegefühl des Daseins" erreicht, im Traum und im Rausch. Dies sei das unmittelbare Verständnis der Gestalt alle "Formen sprechen zu uns" es gibt nichts gleichgültiges und unnötiges. Bei dem höchsten Leben des Traumes haben wir nach Nietzsche noch die Empfindung ihres Scheins, nur wenn er abnimmt beginnt die phatologische Wirkung, bei der der Traum ernst wird und nicht mehr erquickt. Solange wir uns in der dionysischen Anschauung im Traum befinden wird nach Nietzsche auch das Ernste, Traurige, Trübe, Finstere wird mit derselben Lust angeschaut wie die angenehmen Bilder. jedoch müsse auch hier der "Schleier des Scheines in flatternder Bewegung sein" um die Grundformen der Wirklichkeit nicht ganz zu verhüllen. Der Traum ist also nach Nietzsche ein Spiel des Einzelnen mit der Wirklichkeit. Die bildende Kunst ist dagen ist nach Nietzsche ein Spiel mit dem Traum. Die Statue eines Mamorblocks ist ein Wirkliches, aber ein wirkliches einer Traumgestalt, sie seit die lebendige Person Gottes. "So lange noch die Statue als Phantasiebild vor den Augen des Künstlers schwebt, spielt er noch mit dem Wirklichen: wenn er dies Bild in den Marmor übersetzt, spielt er mit dem Traum." <ref name=":0" /> Nietzsche möchte für das Apollinische das gelten machen, was Schopenhauer von dem im Schleier der Maja befangenen Mensch sagt<ref name=":1">Nietzsche, Die Geburt der Tragödoe ISBN 3-458-32712-6 S30-31</ref>

"Denn, wie auf dem tobenden Meere, das, nach allen Seiten unbegränzt, heulend Wasserberge erhebt und senkt, auf einem Kahn ein Schiffer sitzt, dem schwachen Fahrzeug vertrauend; so sitzt, mitten in einer Welt voll Quaalen, ruhig der einzelne Mensch, gestützt und vertrauend auf das principium individuationis" - Welt als Wille und Vorstellung (S 416)

Nietzsche führt unter dem Zitat in der Geburt der Tragödie noch an, dass Schopenhauer das entsetzliche Grausame geschidert hat, wenn der Mensch an den Erkenntnisformen irre wird, indem der Satz vom Grunde in einer Erscheinung eine Ausnahme macht. Nietzsche führt weiter aus, dass wenn man neben dem Grausamen noch das Entzückende hinzunimmt, man das Wesen des Dionysischen berührt, das Rauschafte. Dies geschehe entweder durch das narkotische Getränkt, oder wenn der Frühling erwacht.

Während die Erlösung in der Welt des Apollo nur in der Welt des Scheines erreicht werden kann, in der Welt der Individuum, eben als solches, könnte in der Welt des Dionysos der Bann des "Individuums "zersprengt" werden und "der Weg zu den Müttern des Seins zu den inneren Kern der Dinge offen liegt". [Kapitel 112]

Intellektuelle Rechtschaffenheit und intelektuale Gewissen[Bearbeiten]

Nietzsche beschreibt die intellektuelle Rechtschaffenheit als eine Eigenschaft, bei der der Denker nur nach der Wahrheit strebt und dieses Streben hart ist, gegen die akademischen Philosophen wendet er ein, dass diese Kants Fehler der "Hintertür für christliche Werte" aufgrund fehlender intellektueller Rechtschaffenheit nicht erkannt haben. Zum intellektuale Gewissen schrieb Nietzsche:

Das intellektuale Gewissen. – Ich mache immer wieder die gleiche Erfahrung und sträube mich ebenso immer von neuem gegen sie, ich will es nicht glauben, ob ich es gleich mit Händen greife: den allermeisten fehlt das intellektuale Gewissen; ja es wollte mir oft scheinen, als ob man mit der Forderung eines solchen in den volkreichsten Städten einsam wie in der Wüste sei. Es sieht dich jeder mit fremden Augen an und handhabt seine Waage weiter, dies gut, jenes böse nennend; es macht niemandem eine Schamröte, wenn du merken läßt, daß diese Gewichte nicht vollwichtig sind – es macht auch keine Empörung gegen dich: vielleicht lacht man über deinen Zweifel. Ich will sagen: die allermeisten finden es nicht verächtlich, dies oder jenes zu glauben und darnach zu leben, ohne sich vorher der letzten und sichersten Gründe für und wider bewußt worden zu sein und ohne sich auch nur die Mühe um solche Gründe hinterdrein zu geben – die begabtesten Männer und die edelsten Frauen gehören noch zu diesen »Allermeisten«. Was ist mir aber Gutherzigkeit, Feinheit und Genie, wenn der Mensch dieser Tugenden schlaffe Gefühle im Glauben und Urteilen bei sich duldet, wenn das Verlangen nach Gewißheit ihm nicht als die innerste Begierde und tiefste Not gilt – als das, was die höheren Menschen von den niederen scheidet! Ich fand bei gewissen Frommen einen Haß gegen die Vernunft vor und war ihnen gut dafür: so verriet sich doch wenigstens noch das böse intellektuale Gewissen! <ref>Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft</ref>

Kritik am Willen zum System[Bearbeiten]

Nietzsche kritisiert den Willen zum System und hält ihn für einen Mangel an intelektueller Rechtschaffenheit<ref>Nietzsche, Götzen-Dämmerung, Sprüche und Pfeile, 26</ref>. Diese Kritik richtet sich gegen Kant (der nach Nietzsche ein hinterlistiger Theologie sei und zudem dekadent), sowie gegen Schopenhauer (der dekadent sei) und gegen Mainländer (der wie Schopenhauer dekadent sei). Beim lesen von Nietzsche dürfte dem entsprechend scharfsinnigen Leser schnell klar werden, dass Nietzsche lange Gedankenketten in den Werken einbaut und somit ebenfalls eine bestimmte Art des Systems aufbaut, nicht wie Schopenhauer, bei dem jeder Satz eine tragende Säule des Systems sein muss (wie wir dies bei Kant ebenfalls sehen) sondern in einer Art und Weise, bei der Nietzsche sich auf Denker bezieht,die er nicht erwähnt und Vorwissen eigener Werke voraussetzt, das er nicht explizit erwähnt, zudem setzt er Vorraus, dass der Leser die Aporismen entsprechend korrekt entziffert hat bzw. dies kann. Der Eindruck der langen Gedankenketten lässt sich auch durch eine entsprechende Anmerkung im Nachlass bestätigen. Der Gedanke, dass der Wille zum System minderwertigen Denken führen kann, findet sich auch bei Wittgenstein in seinen philosophischen Untersuchungen. Hierbei schreibt Wittgenstein, dass er kein systematisches Werk schreiben konnte, da seine Gedanken erlahmten, wenn er sie gegen ihre natürliche Richtung zwingen wolle. <ref>Wittgenstein, philosophische Untersuchungen, Vorwort</ref>

Begriffe als Symbole und die Subjekt Objekt Trennung ist nichtssagend[Bearbeiten]

Während Begriffe bei Schopenhauer abstrakte Eigenschaften sind, die der Mensch (als Subjekt) von den Dingen (als Objekt vorgestellt) abtrennt, nämlich die die er benötigt, ist für Nietzsche der Begriff ein Symbol und da beim Festhalten im Gedächtnis der Ton verklingt, sei im Begriff nur das Symbol der begleitenden Vorstellung gewahrt.<ref name=":0" /> Nietzsche erkennt zwar an, dass es kein Erkennen ohne dem Subjekt und dem Objekt gibt, aber diese Feststellung sei trivial, wir können von den Dingen nichts aussagen "weil wir den Standpunkt des Erkennenden d.h. des Messenden uns unter den Füßen weggezogen haben. Eine Qualität existiert für uns d.h. gemessen an uns. Ziehen wir das Maaß weg, was ist dann noch Qualität! Was die Dinge sind, ist aber nur zu beweisen durch ein daneben gestelltes messendes Subjekt. Ihre Eigenschaften an sich gehen uns nichts an, aber insofern sie auf uns wirken. Nun ist zu fragen: wie entstand ein solches messendes Wesen? Die Pflanze ist auch ein messendes Wesen." schreibt Nietzsche im Nachlass <ref>Nietzsche, Nachgelassene Fragmente Sommer 1872; 19[156] — Anfang 1873. nietzschesource</ref>

Kunst als Stimulanz zum Leben (l'art pour l'art)[Bearbeiten]

Die Kunst ist nach Nietzsche das große Stimulanz zum Leben, er fragt in den Götzendämmerungen wie man sie als zwecklos, als sinnlos, als " l'art pour l'art" ( (französisch, wörtlich „die Kunst für die Kunst“, sinngemäß „die Kunst um der Kunst willen“) verstehen könne.<ref>Nietzsche, Götzendämmerung, Streifzüge eines Unzeitgemäßen, 24. L'art pour l'art Zeno</ref> Die Kunst sagt nach Nietzsche, dass es wert ist zu leben, wohingegen die Wissenschaft sagt, dass das Leben wert sei erkannt zu werden. Doch die Kunst fördere auch vieles Häßliche, Harte, Fragwürdige des Lebens zur Erscheinung. Während bei Schopenhauer die Kunst den Willen antagonistisch entgegenwirkt und hemmt, nimmt Nietzsche also eine gegenteilige Position ein. Bei Schopenhauer ist eine dem Willen reizende Komponente "verwerflich", dies ist etwa dann der Fall, wenn in einem Kunstwerk reizende Komponente eingearbeitet sind, wie etwa ein Apfel der den Appetit anregt. Nietzsche wirft Schopenhauer vor, dass seine Sicht durch Pessimisten-Optik und »bösen Blick« getrübt sei. Man müsse den Künstler selber befragen, was er mitteile, ist es nicht vielleicht ein siegreiche Zustand, den der tragische Künstler auswählt und gar verherrlicht, fragt Nietzsche. Vor der Tragödie feiere nach Nietzsche das kriegerische in uns seine Saturnalien (ein römisches Fest, das bis zur Wintersonnenwende dauerte). Der heroische Mensch preise vor der Tragödie sein Dasein.

Gott ist tot[Bearbeiten]

Die Aussage Gott ist tot wurde erstmals von Nietzsche in der fröhlichen Wissenschaft formuliert (Aphorismus 125). Da diese Schrift gegen Mainländer gerichtet war, der in seinem Metaphysik den Tot Gottes postulierte, nämlich indem Gott vor Raum und Zeit war und sich tötete, damit die Einheit zur Vielheit werden kann, bezieht sich Nietzsche auf diese Tötung Gottes in der Philosophie Mainländers. Die häufige falsche Interpretation (die zumeist wüste Spekulation ohne Hand und Fuß ist) lässt sich mit dem rigorosen Ignorieren von Mainländers seitens der Philosophieprofessoren erklären. Mainländer schrieb "Gott ist gestorben und sein Tod war das Leben der Welt", darauf bezieht sich Nietzsche (und allenfalls noch auf Schopenhauer, wenngleich er durchaus erkannte, dass Mainländer Fehler Schopenhauers bereinigte).

Der Wert des Lebens[Bearbeiten]

Nach Nietzsche kann der Wert des Lebens nicht abgeschätzt werden, er ist immer nur ein Symptom und eben darum wirft er Schopenhauer (oder auch Mainländer) vor, dass sie bei ihrer Philosophie befangen waren. Dies ist übrigens ganz richtig und es dürfte jeder aus der Erfahrung heraus kennen, der sich die Frage nach den Wert des Lebens in unterschiedlichen Lebensabschnitten (gut, neutral, schlecht) gestellt hat.

Die Geburt der Tragödie im Geiste der Musik[Bearbeiten]

Die Geburt der Tragödie war Nietzsches erstes Werk, in dem Nietzsche die damals vorherrschenden akademischen Meinungen angegriffen hatte. Das Werk unterscheidet sich einerseits im Stil von klassischen wissenschaftlichen Arbeiten, sowie im grundsätzlichen Postulat zu dem philologischen Thema, so deutete Nietzsche die Geschichte der Griechen tragisch und voller Leid. Das Werk ist heute besonders durch die genauere Definition des Apollinischen und Dionysischen bekannt und nimmt insofern eine zentrale Stellung in Nietzsches Werken ein, da Nietzsche das philosophische Begriffspaar in zahlreichen Werken verwendet und die typische "nietzscheanische Betrachung einer Kultur" (eine ästhetische und geschichtsphilosophische, wie bei Spengler, ohne aber wie bei Toynbee eine feinere Differenzierung und wissenschaftliche Begründung vorzunehmen) immer wieder aufgreift. In dem Werk bezieht sich Nietzsche unter anderem auf Schopenhauer und behauptet, dass das Apollinische durch die Individualisierung den von Schopenhauer beschriebenen Schleier der Maya ermöglicht. <ref name=":1" /> Laut Nietzsche wollte sich in den Griechen der »Wille«  in Verklärung des Genius und der Kunstwerke anschauen, um sich zu verherrlichen musste seine Geschöpfte sich selbst als verherrlichendswert empfinden, ohne dass diese vollende Weltanschauung als Imperativ oder Vorwurf wirkte. Dies wäre die Sphäre der Schönheit, in der sie ihre Spiegelbilder, die olympischen sahen. <ref>Nietzsche, Die Geburt der Tragödoe ISBN 3-458-32712-6 S42</ref> Nietzsche widmet sich in dem Buch 2 Arten der Kunst, einmal der dionysischen und einmal der apollinischen Kunst. Mit Schopenhauer gesprochen könnte man von der zweifachen Wurzel der Kunst sprechen, zumindest innerhalb der Welt als Vorstellung und außerhalb gäbe es nach Nietzsche nur mehr eine Wurzel und zwar die dionysische. Während die apollinische Kunst den Schleier der Maja (hier bezieht er sich auf Schopenhauer, in dieser herrscht die Subjekt/Objekt Trennung) erzeugen, zerreißt die dionysische Kunst eben diesen (die Subjekt/Objekt Trennung wird im Rausch aufgehoben). Wichtig bei dem Werk ist, dass es nicht mythologisch abgeleitet ist, sondern über Schopenhauers Willensmetaphysik. Nietzsche erwähnt deswegen auch, dass die griechischen Götter tiefer handeln als sie sprechen, die Griechen hätten die Tragödie gar nicht selbst als solche erkannt. Deshalb müsse man aufpassen, dass man die Mythen nicht als flacher und bedeutungsloser auffasst, als sie eigentlich sind.

Pessimismus aus Mißratensein oder aus Wohlsein, Wissenschaft als Symptom ?[Bearbeiten]

Nietzsche stellte im Vorwort "Versuch einer Selbstkritik" die Frage, ob Pessimismus notwendig ein Symptome den Niederganges, der ermüdeten und geschwächten Instinkte sein muss, wie es beim europäischen Mensch dem "modernen Mensch" der Fall sei, oder ob es auch einen Pessimismus der Stärke gäbe, bei der auch das schlechte im Leben, das Harte, Schauerliche, Böse, und Problematische des Daseins aus Wohlsein angeschaut wird. Er stellt hier auch die Frage was die Wissenschaft als Symptom gesehen bedeutet, wozu oder "schlimmer noch woher" kommt die Wissenschaft fragt Nietzsche. Ist Wissenschaft vielleicht eine Furcht und Feigheit oder reine Notwehr vor der Wahrheit? (Schopenhauer würde hier sagen, dass der Wille zum Leben die Wissenschaft antreibt [der Intellekt ist Werkzeug des Willens, schrieb Schopenhauer], wobei eben genau das von Nietzsche infrage gestellt wird, denn die Wissenschaft selbst kann lebensfeindlich werden und wenn dem so ist, wozu ist sie dann da?) Nietzsche schreibt, dass das Problem der Wissenschaft nicht auf dem Boden der Wissenschaft erkannt werden kann und deshalb das Buch auf dem Boden der Kunst stehe. Er versuchte das Problem der Wissenschaft unter der Optik des Künstlers zu sehen und die Optik der Kunst unter der Optik des Lebens. Dass das Buch schwer zugänglich wird, wird von Nietzsche in dem Vorwort "Versuch einer Selbstkritik" eingeräumt, es wäre ein Buch für Eingeweihte, wie ein "Erkennungszeichen von Blutverwandte".

Die Grenzen der Wissenschaft, die tragische Erkenntnis aus dieser und Kunst als Heilmittel[Bearbeiten]

Die Wissenschaft eile "von ihrem kräftigen Wahne getrieben" an Ihre Grenzen, denn ein Problem der Wissenschaft sei nach Nietzsche, dass der Optimismus an den Grenzen der Wissenschaft zerbrechen muss und das liege am "Wesen der Logik". (Kapitel 120) "denn die Peripherie des Kreises der Wissenschaft hat unendlich viele Punkte" und dies würde zu einer tragischen Erkenntnis führen.

"Denn die Peripherie des Kreises der Wissenschaft hat unendlich viele Punkte, und während noch gar nicht abzusehen ist, wie jemals der Kreis völlig ausgemessen werden könnte, so trifft doch der edle und begabte Mensch, noch vor der Mitte seines Daseins und unvermeidlich, auf solche Grenzpunkte der Peripherie, wo er in das Unaufhellbare starrt. Wenn er hier zu seinem Schrecken sieht, wie die Logik sich an diesen Grenzen um sich selbst ringelt und endlich sich in den Schwanz beisst - da bricht die neue Form der Erkenntniss durch, die tragische Erkenntniss, die, um nur ertragen zu werden, als Schutz und Heilmittel die Kunst braucht."

Das Apollinische und Dionysische aus der Natur selbst[Bearbeiten]

Nietzsche betrachtet das Dionysische und das Apollinische zunächst direkt in der Natur. Im dionysischen würden alle Trennungen im Leben aufgehebt werden: "Jetzt ist der Sklave freier Mann" "jetzt zerbrechen die starren feindseligen Abgrenzungen" Nietzsche spricht von Weltharmonie und davon, dass es wirkt als ob der Schleier der Maja "zerissen wäre und nur noch in Fetzen vor dem geheimnisvollen Ur-Einen herumflattere" aus ihm töne jetzt etwas Übernatürliches, als Gott fühlt er sich "er selbst wandelt jetzt so verzückt und erhoben, wie er die Götter im Traume wandeln sah." <ref>Nietzsche, Die Geburt der Tragödoe ISBN 3-458-32712-6 S32</ref> Der Mensch würde dadurch vom Künstler zum Kunstwerk.

Während das Dionysische den Schleier der Maja zerreißt, wird dieser durch seinen Gegensatz dem Dionysischen erzeugt. Dionysos ist der Gott des Scheines. Es wäre von Apollon zu sagen, dass dieser ein "unerschütterliches Vertrauen" in das principium individuationis hab, aus Apollon würde die ganze Lust und Weisheit des Scheines, samt seiner Schönheit, zu uns sprechen. <ref>Nietzsche, Die Geburt der Tragödoe ISBN 3-458-32712-6 S30</ref>

Nietzsche möchte das Apollinische und das Dionysische aber nicht nur aus der Natur selbst, als künstlerisch schaffendes ohne den Vermittler (dem Künstler) betrachten, sondern eine feinere Differenzierung vornehmen.

Der Mensch als »Nachahmer« der Natur (»apollinischer Traumkünstler« und »dionysischer Rauschkünstler«)[Bearbeiten]

Der Mensch sei nach Nietzsche ein »Nachahmer« der Natur, nämlich einmal im Traum (hier ist er »apollinischer Traumkünstler«), in dem der Mensch sich selber einen »Schein« erzeugt und einmal im Rausch (als »dionysischer Rauschkünstler«), indem der Mensch selber seine Subjekt- Trennung zur Welt aufhebt. In der Griechischen Tragödie sei der Mensch beides, sowohl Traumkünstler als auch Rauschkünstler.

Apollon als Vater des Olymps[Bearbeiten]

Während es bei CG Jung verschiedene Archetypen gibt, die laut Jung auf ein kollektives Unterbewusstsein hindeuten und die Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster abbilden sollen, gibt es bei Nietzsche nur Apollon und Dionysos. Wir müssten laut Nietzsche das Gebäude der apollinischen Kunst "Stein für Stein" abtragen bis wir "das Fundament erblicken, auf dem es aufgebaut ist". <ref>Nietzsche, Die Geburt der Tragödoe ISBN 3-458-32712-6 S39</ref> Hier stoßen wir auf die olympischen Göttergestalten, das Apollon hier neben anderen Göttern steht dürfte uns nach Nietzsche nicht beirren. Es wäre nach Nietzsche derselbe Trieb, der sich bei Apollon versinnlicht hätte, der die ganze olympische Welt begründet, weshalb man Apollon als Vater der olympischen Welt betrachten könnte.

Dionysische Komponente in der Musik als bildnerische Kraft und dionysische als ihr eigentlicher Charakter[Bearbeiten]

Wenn die Musik als dionysische Kunst bekannt war, so war war die dionysische Komponente nur ein »Wellenschlag des Rhythmus«, dessen bildnerische Kraft zur "Darstellung apollinischer Zustände" entwickelt worden wäre. Die Musik Apollons war "dorische Architektonik in Tönen", aber nur in angedeuteten Tönen (wie bei der Kithara; altgriechisch κιθάρα ein Saiteninstrument aus der griechischen Antike, Hörprobe).<ref>Nietzsche, Die Geburt der Tragödoe ISBN 3-458-32712-6 S36</ref> Hierbei sei behutsam das Element des Dionysos ferngehalten, welche aber eigentlich der eigentliche Charakter der Musik überhaupt ausmache "die erschütternde Gewalt des Tones", der "einheitliche Strom der Melos " und die "unvergleichliche Welt der Harmonie". Im dionysischen Dithyrambus (Hörprobe) wird der Mensch zu höchsten Steigerung all seiner symbolischen Fähigkeiten gereizt und etwas sonst nie empfundenes würde sich zur Äußerung drängen, das Zerreisen des Schleiers der Maja, das Einssein mit der Gattung und der der Natur.

Die Tonmalerei des neueren Dithyrambus[Bearbeiten]

Bei dem neueren Dithyrambus wäre die Musik zum dürftigen Abbilde der Erscheinung geworden, der durch die Tonmalerei jedes mythischen Charakters entkleidet würde. Während im klassischen Dithyrambus sich der ewige Weltwille verkörpert und im Spiegel anschaut, wird er jetzt zum unendlich ärmeren Erscheinung. Durch die Tonmalerei wird die Musik ärmer als sie ist (Wiedergabe von Vorgängen der Umwelt durch Tonfolgen, Klänge, Klangeffekte).

Der hellenische Wille[Bearbeiten]

Nietzsche schreibt, dass der selbe Trieb, der die Kunst erzeugt hat um "zum weiterleben verführende vollendete Ergänzung des Daseins" sei, auch die olympische Götterwelt entstehen ließ, in der sich der hellenische Wille einen erklärenden Spiegel vorhielt. Der hellenische Wille sei ein "metaphysischer Wunderakt" <ref>Nietzsche, Die Geburt der Tragödoe ISBN 3-458-32712-6 S27</ref> bei dem das Dionysische und das Apollinische miteinander gepaart scheinen und in dieser Paarung zuletzt das das Kunstwerk der attischen Tragödie erzeugen.

Der theoretische Mensch und der Künstler[Bearbeiten]

Nietzsche trennt in den theoretischen Mensch und den Künstler. Während der Künstler bei jeder "Enthüllung der Wahrheit" mit verzückten Blick an dem hängen bliebe, was nach der Enthüllung noch Hülle bliebe, so würde der theoretische Mensch seine höchste Lust an der abgeworfenen Hülle selber haben und an dem Prozess der Enthüllung. (Gesetzt die Wahrheit ist ein Weib, verstanden sich alle dogmatischen Philosophen schlecht auf Weiber, fragt Nietzsche einmal in JGB, so könnte man im Gleichnis reden, dass der theoretische Mensch sich mehr am Entkleiden der Weiber und an deren Kleidungsstücken erfreut). Lessing habe einmal gesagt, dass es ihm mehr um das Suchen nach Wahrheit selbst ginge, als um die Wahrheit selber, damit wäre das Grundgeheimniss der Wissenschaft aufgedeckt worden, schrieb Nietzsche. Zu einem ganz ähnlichen Fazit dürfte jeder kommen, der sich intensiv mit der Wissenschaft befasst und dabei immer wieder einen schwachen Willen zur Wahrheit vorfindet. Sabine Hossenfelder hat in ihrem Buch "Das hässliche Universum" feststellen müssen, dass es den meisten ihrer Kollegen gar nicht um die Wahrheit ginge, sondern nur darum ihre ästhetisch präferierten Lieblingstheorien zu verteidigen, sie aber hätte sich für die Wissenschaft interessiert, da sie die Menschen nicht verstanden hatte und nun musste sie feststellen, dass sie die Quantenphysik auch nicht versteht. <ref>Sabine Hossenfelder, Das hässliche Universum: Warum unsere Suche nach Schönheit die Physik in die Sackgasse führt, 2018, ISBN 3103972466</ref> Während Popper einmal meinte, in der Wissenschaft würden die Wissenschaftler nur deshalb ihre Thesen so verbittert verteidigen, da nur durch einen "wissenschaftlichen Kampf" die besten Thesen einen Selektionsprozess überleben und dies der eigentliche Grund für das Verteidigen der eigenen Thesen der sei, dass dieser Kampf gut geführt würde, so hat er sicherlich den Wissenschaftlern (und wohl auch sich selber) geschmeichelt, aber dass das absurd ist zeigen schon die Titel und er selber schrieb, dass er auf der "Suche nach einer besseren Welt" sei. Was aber, wenn das Wissen zu einer schlechteren Welt führt? Was, wenn aus der Wissenschaft der Nihilismus folgt? Jedenfalls verriet Popper, woher seine logischen Fehler kommen. (Aus einem Mangel an intellektuellen Gewissen! Besseres Beispiel? Bunge!) Wittgenstein ist da schon ehrlicher, wenn er in den PU schreibt, dass er das Buch deshalb angefangen habe, da sein erstes Buch (der Tractatus) an den Unis falsch ausgelegt und "verstümmelt" wurde, dies hätte seine "Eitelkeit" aufgestachelt und er hatte Mühe sie zu beruhigen. Jetzt gibt es Wissenschaftler, denen geht es wirklich um die Wahrheit, nur sind das eben Ausnahmen!

Der metaphysische Wahn einer Veränderung des Seins, die Grenzen der Wissenschaft in der sie in Kunst umschlägt[Bearbeiten]

Bei Sokrates meint Nietzsche, dass dieser dachte, dass die Kausalität bis in die "tiefsten Abgründe des Seins" reichen würde und Sokrates durch das Denken das Sein nicht nur erkennen, sondern auch korrigieren möchte, er nennt dies einen "metaphysischen Wahn" der als "Instinkt der Wissenschaft beigegeben ist". Das führe die Wissenschaft immer an ihre Grenzen und hier würde die Wissenschaft zur Kunst umschlagen, auf welche es eigentlich bei der Wissenschaft abgesehen währe. Wenn man heute sogar in der Genderforschung (die keine wirkliche Wissenschaft mehr ist, siehe Hoax Paper) mehr als 2 biologische Geschlechter postuliert (was bei Säugetieren schlicht nicht möglich ist, Sexualdiffernezierungsstörungen und Beidgeschlechtlichkeit ist kein eigenes Geschlecht und können es nie sein!) versucht man ebenfalls das Wesen des Seins zu verändern, man möchte die Realität manipulieren, ebenso wird versucht den Menschen durch die Sprache zu manipulieren (Gendern). Hierbei sei aber noch angemerkt, dass diese "Form der Wissenschaft" ein Wissenschaftsmissbrauch ist, Nietzsche bezieht seine psychologische Hinterfragung der Wissenschaft auf die "echte" Wissenschaft, bildhaft gesprochen könnte man aber von einer Spitze des Eisbergs sprechen. Schon Schopenhauer verfasste beißende Polemik gegen die Philosophieprofessoren, die ihn ignorierte, auch Kant (obwohl sein Kategorischer Imperativ ein moralischer war) beklagte sich darüber, dass sein Hauptwerk ignoriert würde und seine Philosophie- Kollegen nur so täten, als ginge es ihnen um die Wahrheit.

Sokrates als Wendepunkt in der Geschichte und Begründer der Wissenspyramide[Bearbeiten]

Sokrates wird von Nietzsche als Wendepunkt in der Geschichte beschrieben:

"Wer sich einmal anschaulich macht, wie nach Sokrates, dem Mystagogen der Wissenschaft, eine Philosophenschule nach der anderen, wie Welle auf Welle, sich ablöst, wie eine nie geahnte Universalität der Wissensgier in dem weitesten Bereich der gebildeten Welt und als eigentliche Aufgabe für jeden höher Befähigten die Wissenschaft auf die hohe See führte, von der sie niemals seitdem wieder völlig vertrieben werden konnte, wie durch diese Universalität erst ein gemeinsames Netz des Gedankens über den gesammten Erdball, ja mit Ausblicken auf die Gesetzlichkeit eines ganzen Sonnensystems, gespannt wurde; wer dies Alles, sammt der erstaunlich hohen Wissenspyramide der Gegenwart, sich vergegenwärtigt, der kann sich nicht entbrechen, in Sokrates den einen Wendepunkt und Wirbel der sogenannten Weltgeschichte zu sehen."

Würde man sich die ganze Summe an Kraft, die für die Weltdendenz verbraucht worden wäre, nicht im Dienste des Erkennens sondern auf die Nützlichkeit hin (die praktischen, also nach Nietzsche egoistischen Motive) denken, so würde vielleicht die instinktive Lust am Leben dadurch so abgeschwächt, dass ein Pessimismus und Nihilismus daraus folgt, postuliert er. Nietzsche denkt sich hier den Pessimismus aus der Perspektive eines Mangels an Lebenskraft und die Lebenskraft nimmt durch verbrauch an Kraft ab, da das Leben Kraft braucht. Die Kunst könnte als Heilmittel gegen diese Übergeistigung wirken (dass das Denken in logischen Begriffen, die Lebenskraft reduziert, führt er auch in anderen Büchern aus, etwa im Antichrist, wobei er hier auch die Natur und den Buddhismus als Kur andenkt). Sokrates wäre Angesichts des Pessimismus (der aus der wissenschaftlichen Weltbetrachtung folgt) das Urbild eines theoretischen Optimisten (Kapitel 119), der in dem Glauben der Ergründlichkeit der Dinge, dem Wissen und der Erkenntnis einer Universalmedizin beilegt und im Irrtum das Übel begreift.

Die Erfahrung der sokratischen Erkenntnis und die Lust die Welt der Erscheinungen durch sie zu erobern[Bearbeiten]

Nietzsche postuliert, dass es seit Sokrates die edelste Aufgabe des Menschen sei (so angesehen wird), die wahre Erkenntnis vom Schein und dem Irrtum zu sondern, wodurch der "Mechanismus der Begriffe" als höchste und bewundernswürdigste Tätigkeit geschätzt würde. Selbst das Mitleid und die daraus folgende Moral wurde seit Sokrates von der Dialektik der Wissenschaft abgeleitet und sei dadurch lehrbar geworden. Die "Lust der sokratischen Erkenntnis" würde in lustvollen ringen versuchen "die Welt der Erscheinung zu umfassen" (Erscheinung ist hier im Sinne Schopenhauers zu verstehen, die Welt als Vorstellung). Wer dies sokratische Erkenntnis einmal an sich erlebt hätte und dieses Ringen sehe würde, würde "keinen Stachel heftiger empfinden" als die "Begierde jene Eroberung zu vollenden" und dann dieses Netz "undurchdringbar fest zu spinnen". (Kant definierte ja bekanntlich die Philosophie als Wissenschaft der Wissenschaft, da diese die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis an sich untersucht, darum sei der Logiker und Mathematiker nur "Vernunftkünstler").

Schopenhauer als "Begründer aller Ästhetik" - die Welt als Verkörperung der Musik und als Verkörperung des Willens[Bearbeiten]

Nietzsche bezieht sicher immer wieder auf Schopenhauer, besonders deutlich wird dies auch nochmal in dem langen Zitat im Kapitel 125, in der Nietzsche Schopenhauer länger zitiert und welches ich hier ebenfalls in voller Länge wiedergeben will:

Diesem allen zufolge können wir die erscheinende Welt, oder die Natur, und die Musik als zwei verschiedene Ausdrücke derselben Sache ansehen, welche selbst daher das allein Vermittelnde der Analogie beider ist, dessen Erkenntniss erfordert wird, um jene Analogie einzusehen. Die Musik ist demnach, wenn als Ausdruck der Welt angesehen eine im höchsten Grad allgemeine Sprache, die sich sogar zur Allgemeinheit der Begriffe ungefähr verhält wie diese zu den einzelnen Dingen. Ihre Allgemeinheit ist aber keineswegs jene leere Allgemeinheit der Abstraction, sondern ganz anderer Art und ist verbunden mit durchgängiger deutlicher Bestimmtheit. Sie gleicht hierin den geometrischen Figuren und den Zahlen, welche als die allgemeinen Formen aller möglichen Objecte der Erfahrung und auf alle a priori anwendbar, doch nicht abstract, sondern anschaulich und durchgängig bestimmt sind. Alle möglichen Bestrebungen, Erregungen und Aeusserungen des Willens, alle jene Vorgänge im Innern des Menschen, welche die Vernunft in den weiten negativen Begriff Gefühl wirft, sind durch die unendlich vielen möglichen Melodien auszudrücken, aber immer in der Allgemeinheit blosser Form, ohne den Stoff, immer nur nach dem Ansich, nicht nach der Erscheinung, gleichsam die innerste Seele derselben, ohne Körper. Aus diesem innigen Verhältniss, welches die Musik zum wahren Wesen aller Dinge hat, ist auch dies zu erklären, dass, wenn zu irgend einer Scene, Handlung, Vorgang, Umgebung, eine passende Musik ertönt, diese uns den geheimsten Sinn derselben aufzuschliessen scheint und als der richtigste und deutlichste Commentar dazu auftritt; imgleichen, dass es Dem, der sich dem Eindruck einer Symphonie ganz hingiebt, ist, als sähe er alle möglichen Vorgänge des Lebens und der Welt an sich vorüberziehen: dennoch kann er, wenn er sich besinnt, keine Aehnlichkeit angeben zwischen jenem Tonspiel und den Dingen, die ihm vorschwebten. Denn die Musik ist, wie gesagt, darin von allen anderen Künsten verschieden, dass sie nicht Abbild der Erscheinung, oder richtiger, der adäquaten Objectität des Willens, sondern unmittelbar Abbild des Willens selbst ist und also zu allem Physischen der Welt das Metaphysische, zu aller Erscheinung das Ding an sich darstellt. Man könnte demnach die Welt ebensowohl verkörperte Musik, als verkörperten Willen nennen: daraus also ist es erklärlich, warum Musik jedes Gemälde, ja jede Scene des wirklichen Lebens und der Welt, sogleich in erhöhter Bedeutsamkeit hervortreten lässt; freilich um so mehr, je analoger ihre Melodie dem innern Geiste der gegebenen Erscheinung ist. Hierauf beruht es, dass man ein Gedicht als Gesang, oder eine anschauliche Darstellung als Pantomime, oder beides als Oper der Musik unterlegen kann. Solche einzelne Bilder des Menschenlebens, der allgemeinen Sprache der Musik untergelegt, sind nie mit durchgängiger Nothwendigkeit ihr verbunden oder entsprechend; sondern sie stehen zu ihr nur im Verhältniss eines beliebigen Beispiels zu einem allgemeinen Begriff: sie stellen in der Bestimmtheit der Wirklichkeit Dasjenige dar, was die Musik in der Allgemeinheit blosser Form aussagt. Denn die Melodien sind gewissermaassen, gleich den allgemeinen Begriffen, ein Abstractum der Wirklichkeit. Diese nämlich, also die Welt der einzelnen Dinge, liefert das Anschauliche, das Besondere und Individuelle, den einzelnen Fall, sowohl zur Allgemeinheit der Begriffe, als zur Allgemeinheit der Melodien, welche beide Allgemeinheiten einander aber in gewisser Hinsicht entgegengesetzt sind; indem die Begriffe nur die allererst aus der Anschauung abstrahirten Formen, gleichsam die abgezogene äussere Schale der Dinge enthalten, also ganz eigentlich Abstracta sind; die Musik hingegen den innersten aller Gestaltung vorhergängigen Kern, oder das Herz der Dinge giebt. Dies Verhältniss liesse sich recht gut in der Sprache der Scholastiker ausdrücken, indem man sagte: die Begriffe sind die universalia post rem, die Musik aber giebt die universalia ante rem, und die Wirklichkeit die universalia in re. Dass aber überhaupt eine Beziehung zwischen einer Composition und einer anschaulichen Darstellung möglich ist, beruht, wie gesagt, darauf, dass beide nur ganz verschiedene Ausdrücke desselben innern Wesens der Welt sind. Wann nun im einzelnen Fall eine solche Beziehung wirklich vorhanden ist, also der Componist die Willensregungen, welche den Kern einer Begebenheit ausmachen, in der allgemeinen Sprache der Musik auszusprechen gewusst hat: dann ist die Melodie des Liedes, die Musik der Oper ausdrucksvoll. Die vom Componisten aufgefundene Analogie zwischen jenen beiden muss aber aus der unmittelbaren Erkenntniss des Wesens der Welt, seiner Vernunft unbewusst, hervorgegangen und darf nicht, mit bewusster Absichtlichkeit, durch Begriffe vermittelte Nachahmung sein: sonst spricht die Musik nicht das innere Wesen, den Willen selbst aus; sondern ahmt nur seine Erscheinung ungenügend nach; wie dies alle eigentlich nachbildende Musik thut" Welt als Wille und Vorstellung I, p. 309

Schopenhauer wäre nach Nietzsche der einzige große Denker gewesen, dem der Unterschied des verschiedenen Charakter und Ursprung der Musik zu allen anderen Künsten auch ohne der Göttersymbolik klar geworden ist, denn er hat die Musik nicht als Abbild der Erscheinung, sondern Abbild des Willen erkannt, damit würde sie zu allem Physischen der Welt das Metaphysische, also zu allen Erscheinungen in der Welt das Ding an sich darstellen. Mit dieser Erkenntnis würde alle Ästhetik erst beginnen. Man könnte die Welt als Verkörperung der Musik und als Verkörperung des Willens nennen, dies wäre auch der Grund, dafür dass man zu jeder Oper die Szene mit Musik untermalen könnte (oder im Film usw), oder ein Gedicht mit Musik untermahlen, oder eine anschauliche Darstellung als Pantomimen. Desto ähnliche beide Erscheinungen der jeweiligen Formen der Verkörperung sind, desto besser untermahlt die untergelegte Verkörperung der Erscheinung die andere. Während in der apollinischen Kunst, in der Welt des Scheines, das Leid weggelogen würde, würde die dionysische Kunst ehrlich das Wesen des Lebens offenbaren.

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Universalia nach Plato

Begriffe als Schale der Erscheinungen und Musik als ihr Herz[Bearbeiten]

Beide Erscheinungen im Einzelfall stehen aber nur immanent betrachtet für sich, eigentlich Repräsentieren sie einen allgemeinen Unterschied in der Welt. Darum könne Musik jedes Gemälde der Welt in erhöhter Bedeutung hervortreten lassen und zwar umso mehr, je analoger ihre Melodie den inneren Wesen der Erscheinung wäre. Melodien seien wie Begriffe ein Abstraktum der Wirklichkeit. Während die Begriffe aber bloß die aus der Anschauung abstrahierte Form sind, also "die abgezogene äußere Schale" der Dinge enthalten, würde die Musik den innersten "aller Gestaltung vorhergehenden Kern" also ihr "Herz" geben.

Die Begriffe währen die »universale post rem«  ( Universalien die nach den Universalien ante rem existieren) , die Musik gäbe die »universale ante rem« ( Universalien die sich in der göttlichen Vernunft bilden und vor den Einzeldingen existiere) und die Wirklichkeit die Universalie »in re« (Universalien die als Allgemeines in den Einzeldingen existiere).

Damit die Musik das innere der Welt offenbart, etwa wenn ein Komponist eine Melodie zu einer Opfer (oder Film) komponiert, so muss er das Wesen des Willens unbewusst erfassen und darf dies nicht nachahmen, da er beim Nachahmen nur die Erscheinung nachahmt, diese aber nicht intuitiv erfasst. Die Musik würde nach Nietzsche dazu reizen, dass der Mensch die dionysische Gesamtheit der Natur gleichnisartig anschaue. In dem Lyriker würde die Musik danach ringen, ihr Wesen in apollinischen Bildern mitzuteilen.

Der tragische Mythos redet von der »dionysischen Erkenntnis«  in Gleichnissen[Bearbeiten]

Die dionysische Kunst hätte zweierlei Wirkungen auf die apollinische Kunst. Nachdem die dionysische Kunst (die Musik) die apollinische Kunst zum gleichnisartigen anschauen gereizt hätte, würde die Musik dieses dadurch erzeugte Bild in höchste Bedeutsamkeit hervortreten lassen. Daraus würde die Musik nach Nietzsche befähigt, den Mythos "das bedeutsamste Exemple" zu "gebären" gerade den »tragischen Mythos« , der die »dionysische Erkenntnis«  in Gleichnissen redet. Der Held würde als höchste Erscheinung des Willens zu einer Lust verneint, indem der Wille in seiner Allmacht (in seinem Wesen hinter der Erscheinung als Individuum) das Individuum, indem es den Helden als höchsten Willen nur als Erscheinung betrachtet, zerstört und durch das ewige Leben des Willens dabei selbst nicht berührt würde. Die Tragödie würde an das ewige Leben glauben und die Musik würde das Wesen dieses Lebens verkörpern. (Kapitel 129)

Die ewige Schönheit[Bearbeiten]

Nietzsche kritisiert, dass die Ästhetiker aufgrund ihres subjektiven Schönheitsempfinden die Schönheit der Musik beurteilen mit "dem Fangnetzt ihrer eigenen Schönheit" ohne, dass sie die Kunst mit der ewigen Schönheit oder dem Erhabenen beurteilen könnten. Alles was sich jetzt "was wir jetzt Cultur, Bildung, Civilisation" nennen würde, würde einmal von dem Richter Dionysos erscheinen müssen. Aus dem "dionysischen Grunde" wäre ein Macht erwachsen, die mit den sokratischen Urbedingungen der Kultur weder erklärt noch entschuldigt werden könne.

Die fröhliche Wissenschaft[Bearbeiten]

Die Lehrer vom Zwecke des Daseins.[Bearbeiten]

Nietzsche schreibt in der fröhlichen Wissenschaft<ref>Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft, Druck und Verlag von C. G. Naumann, Leipzig, 1897</ref>, dass er die Menschen immer dabei erblickt, dass sie tun was der Erhaltung der Art notwendig sei, ungeachtet dessen, ob man diese in gute oder böse Menschen unterteilt. Der böse Mensch unterhält bei anderen Menschen Triebe, ohne denen die Menschheit schon längst erschlafft oder verfault wäre. Dies geschehe nicht aus einer Liebe zum Menschen, sondern aus einem Instinkt, dem ältesten Instinkt des Menschen. Der Hass, die Schadenfreude, die Raub- und Herrschsucht und dgl. gehöre nach Nietzsche zur "erstaunlichen Ökonomie der Arterhaltung" diese seit zwar verschwenderisch und kostspielige, hat aber bisher erwiesenermaßen die Art erhalten . In der Vorrede zweifelt Nietzsche daran, ob eine Vorrede überhaupt jemanden die Schrift näher bringen kann, der nicht die selben Erfahrungen machte als er selbst. Über sich selber lachen, wie man über sich selber lachen müsste dazu hätten die besten nicht genug Wahrheitssinn und die begabtesten zu wenig Genie, doch vielleicht gäbe es laut Nietzsche für diese Lachen eine Zukunft (wenn die Menschen erkennen, dass die Art alles sei und einer immer keiner), vielleicht gäbe es dann nur mehr "fröhliche Wissenschaft". Bislang sei dies aber noch nicht der Fall und die Komödie des Daseins ist sich selber noch nicht bewusst geworden, es herrsche noch das Zeitalter der Tragödie, der Religionen und Moralen.

Nietzsche fragt, was das Erscheinen von Religionsgründer und Moralbegründer bedeutet, die die Helden der Komödie sind. Alles übrige habe als entweder als Maschinerie und Coulisse oder als Rolle des Vertrauten und Kammerdienern gedient. Doch auch die Tragödien arbeiten im Interesse der Art, auch wenn sie meinen im Interesse Gottes arbeiten. Der Trieb der Arterhaltung bricht von Zeit zu Zeit als Vernunft heraus und will mit Gründen vergessen machen, dass er eigentlich "Trieb, Instinct, Thorheit, Grundlosigkeit" ist. Er führt dann eine Reihe an Gründen an: " Das Leben soll geliebt werden, denn! Der Mensch soll sich und seinen Nächsten fördern, denn! Und wie alle diese Soll’s und Denn’s heissen und in Zukunft noch heissen mögen!"

Ethische Lehrer und das Gesetz der Ebbe und Flut[Bearbeiten]

Für den ethische Lehrer ist einer immer einer, er will nicht, dass wir die Komödie erkennen und über sie lachen. Der eine ist für den ethischen Lehrer etwas ernstes, etwas letztes. (um mit Kant zu sprechen, immer ein Zweck an sich). Der ethische Lehrer verkennt laut Nietzsche die Natur und ihre Bedingungen unter denen das Leben wächst und hätte die Menschheit sich ihren Lehren bemächtigt, wäre sie daran zugrunde gegangen. Es sei nach Nietzsche nicht zu leugnen, dass die Kurze Tragödie immer in die Komödie des Daseins zurückging, nämlich dann, wenn sich die Moral nicht durchgesetzt hatte. Jeder Lehrer vom Zweck des Daseins hätte bei seinem Erscheinen die Menschheit verändert und nun hätte der Mensch ein Bedürfnis mehr, das des Erscheinens solcher Lehrer. (Hier darf man aber Nietzsche einwenden, dass er durchaus Ursache und Wirkung verkennen könnte, so kann man nämlich fragen, ob das Bedürfnis nicht schon vor den Lehrern des Zweckes des Daseins, den "Sinn" vorhanden war, das behauptet nämlich Frankl). Der Mensch muss von Zeit zu Zeit wissen, warum er existiert, da seine Gattung sind nicht gedeihen könne, meint Nietzsche. Immer wieder würde von Zeit zu Zeit das menschliche Geschlecht degredieren, Nietzsche spricht vom Gesetz der Ebbe und Flut.

Das intelektuale Gewissen, Edel und Gemein[Bearbeiten]

Weiters wird in der Schrift auf das intelektuale Gewissen eingegangen (sieh hierzu die Erklärung im eigenen Unterpunkt) und auf den Unterschied zwischen Edel und Gemein. Der gemeine vertritt eine Sklavenmoral, der Edle eine Herrenmoral. Der gemeine misstraut dem edlen und glaubt nicht an Motive die ihm nichts nützen und wenn er dennoch von den edlen Motiven überzeugt wird, hält er diese für eine Dummheit. "Es muß eine Krankheit der Vernunft mit der edlen Affektion verbunden sein« – so denken sie und blicken gering schätzig dabei: wie sie die Freude geringschätzen, welche der Irrsinnige von seiner fixen Idee her hat." <ref>Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft, 3 Edel und Gemein, Zeno</ref> Der Edle ist mit dem Maßstab des Gemeinen, der immer nur seinen Vorteil im Blick hat, der unvernünftigere, so wie der Irrsinnige, oder aber ein Weibchen, dass für ihre Brut ihr Leben opfert. Während man bei dem Weibchen den Willen zum Leben durch Schopenhauer argumentieren könnte und beim Irrsinnigen eine Erkrankung des Intellekts (beim Genie eine krankhafte Steigerung des Intellekts, was nicht dasselbe ist) so stellt sich hier die Frage woher kommen die edlen Affektionen die zur Unvernunft verführen? Nietzsche beschreibt die Unvernunft des Edlen auch als Leidenschaft und die Unvernunft in der Leidenschaft ist das, was der Gemeine im Edlen verachtet. Die höhere Natur hat ein singuläres Wertmaß und setzt seine Werte als die Überhaupt gültigen Werte an.

Das Arterhaltende[Bearbeiten]

Laut Nietzsche ist es eine Irrlehre der Moral, wenn man das Gute als das Zweckmäßige und das Böse als das Schädliche bezeichnet, da in Wahrheit das Böse der Menschheit ebenso nützt, nur ihre Funktion ist eine andere.

Unbedingte Pflichten[Bearbeiten]

Ohne unbedingte Pflichten hätten die Christen und andere kein Recht auf Ihr Pathos, darum halten sie an den Kategorischen Imperativ fest und jeder der den Pflichten den unbedingten Charakter nehmen möchte, ist ihr Todfeind, so fordere es der Anstand von ihnen und nicht nur der Anstand, meint Nietzsche.

Etwas für Arbeitsame[Bearbeiten]

Ecce Homo[Bearbeiten]

In dem Werk Ecce Homo führt Nietzsche seine Selbsteinschätzung seiner Werke näher aus. Den Zarathustra bezeichnet Nietzsche als sein zentrales Hauptwerk mit einer "Stimme über Jahrtausenden". Nietzsche führt in dem Werk einige Kerngedanken erneut an, wenngleich er hier nicht mehr die intellektuelle Feinheit früherer Werke erreicht, jedoch gewisse Punkte stärker herausstreicht. So führt Nietzsche die Bedingungen an durch die er glaubt besonders viel zur décadence aussagen zu können. Nietzsche ist der Auffassung, dass er durch die eigene décadence und der gleichzeitigen eigenen Gesundheit heraus beides reflektieren kann und eine "feine Witterung" für die décadence entwickelt hat, als je ein andere Mensch. Er äußert sich zudem enttäuscht über die oberflächliche Leseart vieler Rezensenten:

"Denken wir uns nun einen äußersten Fall: daß ein Buch von lauter Erlebnissen redet, die gänzlich außerhalb der Möglichkeit einer häufigen oder auch nur seltenen Erfahrung liegen – daß es die erste Sprache für eine neue Reihe von Erfahrungen ist. In diesem Falle wird einfach nichts gehört, mit der akustischen Täuschung, daß, wo nichts gehört wird, auch nichts da ist... "

Wenngleich einige Aussagen in Ecce Homo definitiv falsch sind (etwa jene, dass Nietzsche sich selbst als nicht körperlich krank beschrieb, was schlichtweg nicht stimmt) so hat Nietzsche hier recht. Popper schrieb einmal, dass er Nietzsche sorgfältig gelesen habe, aber er hätte nichts herausgelesen, als wäre nichts darin. Sofern man Nietzsche lesen kann, dazu ist ein Studium Kants und Schopenhauers für die logische Ebene nötig, sowie für die psychologische eine immense Introspektive (die in der Regel nur hoch reflektierte und hochbegabte Menschen aufweisen, die sich intensiv mit Psychologie befassen und sich selbst reflektieren und auch kritisieren können), benötigt es auch eine gewisse Erfahrung mit der Kunst (darum schrieb Nietzsche auch, dass die Geburt der Tragödie vielleicht ein Buch nur für Künstler wäre). Nietzsche gibt auch Tipps zur Ernährung und zu (seiner Meinung nach) guten Trinkgewohnheiten (keinen Alkohol, Wasser, Tee nur Morgens). Diese Tipps untermauern jedoch einerseits die These, dass Nietzsche an einer Mitochondrialen- Myopathie litt und keiner Syphilis, und zeigen andererseits auch den Kern der Philosophie Nietzsches: Die Gesundheit und Lebenskraft. Neben der Ernährung gibt Nietzsche auch Tipps zur psychologischen Ebene. Während er sich (wie gewohnt) verächtlich über das Christentum äußert (das erbärmlich wäre, Geistlichen währen ein Zwitter zwischen décadence und Wille zur Macht) äußert er sich positiv über den Buddhismus, das Ressentiment wird von ihm erneut verachtet und als schädlich beschrieben:

" Und mit nichts brennt man rascher ab, als mit den Ressentiments-Affekten. Der Ärger, die krankhafte Verletzlichkeit, die Ohnmacht zur Rache, die Lust, der Durst nach der Rache, das Giftmischen in jedem Sinne – das ist für Erschöpfte sicherlich die nachteiligste Art zu reagieren: ein rapider Verbrauch von Nervenkraft, eine krankhafte Steigerung schädlicher Ausleerungen, zum Beispiel der Galle in den Magen, ist damit bedingt. Das Ressentiment ist das Verbotene an sich für den Kranken – sein Böses: leider auch sein natürlichster Hang. – Das begriff jener tiefe Physiolog Buddha."

Auch wenn die feine Begründung die sich in vielen Schriften Nietzsches finden nicht mehr vorhanden ist, so ist die Sprachästhetik nach wie vor herausragend. Nietzsche erwähnt in Ecce Homo ebenfalls sein Konzept des amor fati, der Liebe zum Notwendigen.

"Meine Formel für die Grösse am Menschen ist amor fati: dass man Nichts anders haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeit nicht. Das Nothwendige nicht bloss ertragen, noch weniger verhehlen – aller Idealismus ist Verlogenheit vor dem Nothwendigen –, sondern es lieben."

Um zu einer neutralen Betrachtung des "Gesamtproblem des Lebens" zu kommen, führt Nietzsche seine Lebensumstände an. Durch seine Erkrankung denkt er gewisse Dinge plötzlich sehr kalt durch, zu denen er in gesünderen Verhältnissen nicht kalt genug gewesen sei. Dialektik wird als Décadence-Symptom beschrieben, hierbei bezieht er sich wieder auf den berühmtesten Fall (auf Sokrates). Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Nietzsche einerseits gewisse erhellende biografische Stichpunkte in seinem Werk anführt und bei einigen Aussagen etwas klarer wird, häufig greift er jedoch stichwortartig frühere Themen auf, die er an anderen Stellen bereits deutlich genauer abgeleitet und feiner begründet hat. Er gibt eine "überschaubare" Stichwortartige Zusammenfassung seiner Philosophie wieder, sofern man den Wert der Arbeiten jedoch nicht in diesen Werken erkannt hat, so wird man in Ecce Homo wenig herauslesen.

Also sprach Zarathustra[Bearbeiten]

Also sprach Zarathustra ist Nietzsches Hauptwerk und wird von ihm als das größte Geschenk der Menschheit in Ecce Homo hochstilisiert. Es glänzt in allen schillernden Farben des typischen Nietzsche Sounds.

Quellen[Bearbeiten]